Der chinesische Automobilhersteller GAC treibt seine Expansion auf den europäischen Markt voran – und zwar mit seiner Elektromarke Aion. Zum Start plant der Konzern, zunächst zwei Modelle einzuführen: einen vollelektrischen Kompaktwagen und ein SUV. Besonders der kleinere Aion UT bringt dabei ein Stück italienisches Designflair mit, denn das Fahrzeug wurde im Mailänder Designstudio des Herstellers entwickelt.
Italienisches Design für den chinesischen City-Stromer
Mit dem Slogan „Mailand Mode“ hebt Aion auf seiner chinesischen Webseite die europäische Handschrift des Aion UT hervor. Der Name „UT“ steht für „Urban Traffic“ und macht schon deutlich, dass der elektrische Kompaktwagen speziell für den Stadtverkehr konzipiert wurde. Das Design stammt vom hauseigenen Studio in Mailand, das GAC bereits seit drei Jahren betreibt.
Vorsichtiger Markteintritt: Europa muss noch warten
Bevor europäische Autofahrer selbst am Steuer des Aion UT Platz nehmen können, wird es allerdings noch etwas dauern. GAC plant den Verkaufsstart hierzulande frühestens 2026. Der Fokus liegt aktuell auf dem größeren Schwestermodell Aion V, das in den Ländern Polen, Portugal und Israel bereits 2025 auf den Markt kommen soll.
Thomas Schemera, der als Global COO die internationalen Geschäfte von GAC verantwortet und zuvor bei BMW und Hyundai tätig war, erklärt, dass zunächst der Aufbau einer Vertriebsstruktur Priorität habe. Aktuell unterhält der Hersteller in Europa nur zwei Standorte: Die Firmenzentrale in Amsterdam und das Designstudio in Mailand.
Aion UT: Chinas Antwort auf den Mini
Schemera vergleicht den Aion UT selbstbewusst mit einem bekannten europäischen Stadtflitzer: dem Mini. Im chinesischen Heimatmarkt ist der kompakte Stromer bereits erfolgreich unterwegs. In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden rund 10.000 Einheiten verkauft. Im Rahmen der Mailänder Design-Woche gab es für Besucher zumindest schon einmal die Gelegenheit, das Fahrzeug von innen zu begutachten.
Moderne Ausstattung mit Komfort und Technik
Der Innenraum des Aion UT zeigt sich erstaunlich umfangreich ausgestattet. In der Topversion dürfen sich Fahrer über elektrisch verstellbare, belüftete und beheizbare Vordersitze freuen. Im Mittelpunkt des Cockpits steht ein 14,6 Zoll großer Infotainment-Bildschirm, der nicht nur Navigation und Medien abbildet, sondern auch Apple CarPlay unterstützt.
Praktische Details wie eine induktive Ladefläche, zwei Getränkehalter und ein Staufach in der Mittelkonsole sorgen für Alltagstauglichkeit. Zwei Drehregler am Lenkrad erlauben eine intuitive Steuerung von Fahrzeug- und Infotainmentfunktionen. Für Familien besonders praktisch: Über dem Innenspiegel befindet sich ein zusätzlicher ausklappbarer Spiegel, mit dem sich die Rückbank im Blick behalten lässt – ideal, um Kinder oder Haustiere im Auge zu behalten.
Der Kofferraum bietet mit 440 Litern ordentlich Stauraum. Die Rücksitze sind umklappbar, wodurch sich das Ladevolumen noch einmal deutlich erweitern lässt. Angaben dazu hat der Hersteller bislang allerdings noch nicht veröffentlicht.
Solide Antriebstechnik und schnelle Ladezeiten
Unter der Haube arbeitet ein 150 kW (204 PS) starker Elektromotor, der für den urbanen Alltag ebenso wie für Überlandfahrten ausreichend Leistung bietet. Die verbaute 60 kWh große Batterie soll nach WLTP-Standard eine Reichweite von rund 430 Kilometern ermöglichen.
Offizielle Ladezeiten für den europäischen Markt wurden bisher nicht genannt. Erfahrungswerte deuten allerdings auf eine Schnellladeleistung von bis zu 180 kW hin. Damit wäre der Akku innerhalb von nur 24 Minuten von 30 auf 80 Prozent geladen.
Sicherheits- und Assistenzsysteme auf Niveau der Konkurrenz
Auch in Sachen Fahrassistenz zeigt sich der Aion UT zeitgemäß. Das Kompaktmodell kommt mit Assistenzsystemen der Stufe 2, darunter ein adaptiver Tempomat und ein Spurhalteassistent. Die Euro NCAP-Bewertung steht zwar noch aus, doch GAC strebt hier die vollen fünf Sterne an.
Kompakte Maße, große Konkurrenz
Mit einer Länge von 4,27 Metern, einer Breite von 1,85 Metern und einer Höhe von 1,58 Metern ordnet sich der Aion UT in die gleiche Fahrzeugklasse wie der VW ID.3 ein. Preislich wird sich GAC hierzulande voraussichtlich unter den etablierten Konkurrenten positionieren müssen, um Käufer für sich zu gewinnen.
Im chinesischen Heimatmarkt startet der Aion UT, je nach Ausstattung, bei umgerechnet rund 11.000 Euro. Für Europa kalkuliert GAC mit einem Preis von knapp unter oder leicht über 30.000 Euro – inklusive Kosten für Zulassung, Export und eventuelle Zollabgaben.
GAC: Vom Lizenzbau zur internationalen E-Offensive
GAC (Guangzhou Automobile Company) zählt in China zu den größten Autoherstellern und blickt auf eine langjährige Erfolgsgeschichte zurück. Im Jahr 2023 verkaufte der Konzern 670.000 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sowie 436.000 vollelektrische Fahrzeuge.
Bereits seit vielen Jahren kooperiert GAC mit internationalen Autobauern wie Toyota und Honda und fertigt Fahrzeuge für den chinesischen Markt. Auch europäische Technik spielte bei der Entwicklung eine Rolle: So nutzte der Hersteller für die erste eigene Limousine — den Trumpchi — die Plattform des Alfa Romeo 166.
Globales Design, weltweite Ambitionen
Designchef Fan Zhang verantwortet die Gestaltung der GAC-Modelle und leitet die Studios in Mailand, Los Angeles und Shanghai. Darüber hinaus initiiert Zhang regelmäßig internationale Design-Wettbewerbe, um junge Talente rund um den Globus für das Unternehmen zu gewinnen.
Mit einem selbstbewussten Blick auf den europäischen Markt setzt Zhang auf mehr Raum, hochwertige Innenausstattung und moderne digitale Dienste als Hauptargumente, warum sich der Aion UT auch bei uns als Trendauto etablieren könnte.

